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AKTUELLES

04.06.2019

Tolstoi, Büchner und das "magische Viereck" der Wirtschaftspolitik

„Denke immer daran, dass es nur eine allerwichtigste Zeit gibt, nämlich sofort.“ Das Zitat des russischen Schriftstellers Tolstoi war nur eines von vielen Themen, unter denen die Schüler in der Fachhochschulreifeprüfung im Fach Deutsch wählen konnten. Hier war eine kritische Auseinandersetzung mit dem Zitat gefragt. Auseinandersetzen konnten sich die Schüler aber auch mit einem Text von Ralph Gehrke, im Februar 2018 mit dem Titel „Verbietet endlich Handys in der Schule!“ Der Autor dieses Artikels sieht in der Omnipräsenz von Smartphones ein Gefahrenpotenzial für Konzentration und grundlegende Kulturtechniken. Eine weitere Texterörterung war auch zum Artikel von Claas Tatje „Zeit ist Geld“ möglich. Wem dies alles nicht lag, der konnte eines der literarischen Themen wählen – sowohl Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“ als auch Robert Seethalers Roman „Der Trafikant“ sind Prüfungsliteratur und wurden in je einer Aufgabe abgeprüft.

Bei „Woyzeck“ sollten die Hauptfiguren Woyzeck, Marie und der Tambourmajor anhand der Szenen sechs und sieben charakterisiert werden. Zudem war eine Untersuchung der Schuld Maries gefragt. Eine Untersuchung des Verhaltens von Franz Huchel und Sigmund Freud in dem Auszug aus Seethalers „Trafikant“ sowie die Betrachtung der Entwicklung der Beziehung zwischen Franz und Freud und deren Wichtigkeit war dann die letzte auszuwählende Aufgabe für die Schüler.

Nach Deutsch folgten noch die Prüfungen in Englisch und Mathematik und, nach einer Wochenendpause, die in Wirtschaft.

Gleichzeitig zu Prüfungen der Fachhochschulreife wurden auch die Schüler der zweijährigen Berufsfachschule auf Herz und Nieren geprüft – sie streben einen Mittleren Bildungsabschluss an und haben durch die Wahl eines Schwerpunktes (Wirtschaft oder Hauswirtschaft) gleichzeitig noch eine berufliche Grundbildung. In Englisch waren gleich mehrere Kompetenzen gefragt. So sollten die Jugendlichen anhand eines Textes über „Binge watching television“ ihr Leseverstehen darlegen. Des Weiteren mussten sie einen englischen Text verfassen, konnten dabei aber aus zwei Aufgaben wählen: entweder sie verfassten einen Artikel für eine Schulzeitschrift und nannten Gründe, wieso Englisch heutzutage im Berufs- und Privatleben so wichtig ist oder sie schrieben eine Geschichte zu einem gegebenen Bild.

Die Schüler der gewerblichen Berufsschule, alle mit einer drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsdauer, hatten auch über ihren Prüfungen zu schwitzen. In Wirtschafts- und Sozialkunde ging es um Grundlagen in Vertrags- und Arbeitsrecht, um Entlohnungsformen bzw. die Simulation einer Unternehmensgründung und um das magische Viereck der Wirtschaftspolitik. In Gemeinschaftskunde wurde ganz aktuell das 70jährige Bestehen des Grundgesetzes thematisiert und in Berufstheorie konnten die angehenden Industrie- oder Feinwerkmechaniker ihr Können beweisen. In 120 Minuten sind hier Aufgaben zur Auftrags- und Funktionsanalyse und zur Fertigungstechnik zu lösen. So müssen Leistungsdaten berechnet, Oberflächenangaben beurteilt oder der Luftverbrauch eines Spannzylinders bestimmt werden. Die Prüfung im Fach Deutsch forderte die Schüler wieder anders heraus, hier wurden Textverständnis und Sprachgebrauch ermittelt und in der Schreibaufgabe sollten die Schüler dann ihre Auffassungsgabe und Fähigkeit zum kreativen Schreiben unter Beweis stellen.

Dass nun ein Ende der Prüfungen abzusehen ist, kann man noch nicht behaupten. Die zweijährige Berufsfachschule Hauswirtschaft wird noch in der berufspraktischen Kompetenz, also in ihrer hauswirtschaftlichen Fähigkeit, geprüft, zudem stehen noch die Prüfungen der neuen Schulart AVdual in den Startlöchern sowie die Sprachprüfungen in Deutsch.

(Mg)

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